Zum fünften Mal seit 2011 wählten Dirk und ich das A-Open des Diepper Schach-Festivals zu unserem Sommerturnier. Der Kongresssaal am Strand-Boulevard bot wie üblich angenehme Spielbedingungen. Die drei Open A, B und Ü50 lockten insgesamt 342 Spieler an.
Von den 169 Teilnehmern des A-Opens waren 95 (etwa 56,5%) Jugendliche bis 20 Jahre (siehe Statistik-Seite). Diese waren teilweise sehr stark, der erfolgreichste (ein 13-jähriger Franzose) erreichte den 2. Platz in der Gesamtwertung.
Keine Doppelrunden. Am Festival in Dieppe habe ich immer geschätzt, dass es nur eine Doppelrunde gab. Doppelrunden bedeuten zwei Partien an einem Tag, von denen dann zwangsläufig die erste sehr früh beginnt und die zweite bei langer Spieldauer sehr spät endet. Seit letztem Jahr gehen die Organisatoren noch einen Schritt weiter: es gibt gar keine Doppelrunde mehr. Für die neun Partien stehen neun Tage zur Verfügung. Das ist dem Erholungswert des Schach-Urlaubs sehr zuträglich. Der zusätzliche Tag wird durch den früheren Turnierbeginn am Freitag gewonnen. Zusätzlich wurden ein Schnellschach-Turnier an vier Vormittagen sowie Mannschafts- und Einzel-Blitz an zwei Abenden angeboten. Wir zogen es aber vor, die Vormittage für einen entspannten Start in den Tag und die Abende für Restaurant-Besuche zu nutzen.
Mein Turnierverlauf. Über die Remis-Partie in der ersten Runde, in der ich zwischenzeitlich auf Verlust und am Ende auf Gewinn stand, habe ich bereits berichtet. Lösungen zu den Diagrammen: Nr. 1: Ich spielte den einzigen Remiszug 79. ...e3!, der auf 80. Td6: die Parade ...Te4 81. Le4: e2 ermöglicht. Nr.2: Der Turm gehört hinter den potentiellen Freibauern: 97. Td2! gewinnt, z.B. 98. Td6: Kc3 oder 98. Kc1 Kc3 oder 98. Tg3+ Kd4. Mein Gegner ließ sich durch dieses Missgeschick nicht aus dem Konzept bringen. Am Ende belegte er den dritten Platz. Meine Partien in den Runden 2 bis 4 brachten drei Favoritensiege (zwei davon für mich). Danach folgte eine ungewöhnliche Serie von 5 Remis-Partien. Nach der Façon der Eichhörnchen holte ich mir einen halben Punkt nach dem anderen, und da meine Gegner nominell besser waren, auch einige Elopunkte. In der ersten Remispartie hatte ich noch einmal eine Gewinnstellung im Leichtfigurenendspiel, die ich durch übereiltes Vorziehen eines Freibauern verdarb (Diagramm 1). Die nächsten drei Partien sahen mich in der Defensive. Der Remisschluss erfolgte jeweils unmittelbar nach dem 30. Zug, dem laut Reglement frühestmöglichen Zeitpunkt für eine Remisvereinbarung.
Runde 9. Vor der letzten Runde war ich einer von vier Spielern meiner Elo-Kategorie (1800 bis 1899) mit 4,5 Punkten. Angesichts meiner guten Buchholz-Zahl sollte mir mit einem Sieg ein Rating-Preis fast sicher sein. Und tatsächlich kam ich dem Sieg recht nahe (Diagramm 2). Doch auf der Suche nach einem guten Gewinnweg geriet ich in Zeitnot und verlor den Faden. Wie in der ersten Runde spielte ich die längste Partie des Festivals - ich beendete das Turnier mit 66. Ka5:. Dass das Remis noch für den ersten Ratingpreis reichte, verdanke ich meinen Gegnern aus den vorherigen Runden: die sechs maßgeblichen Spieler holten in der neunten Runde fünf Punkte für meine Buchholzzahl.
Open A "Duchess de Berry"
1. GM Normunds Miezis [LAT] 7,5/9 [+6 =3] 2. Iyad Landolsi [FRA] 7 [+5 =4] 3. IM Melkior Cottonec [FRA] 7 [+5 =4] 7. GM Thorsten Haub [GER] 6,5 [+4 =5] 52. Klaus Haverkamp [GER] 5 [+2 = 6 -1] 80. Dirk Angermünde [GER] 4,5 [+4 =1 -4]
9 Runden Schweizer System, 168 Teilnehmer aus neun Ländern (FRA 148, BEL 6, GER 6, AUT 3, JCI, LBN, LAT, ROU, UKR 1) , 3 GM 2, IM Grille
 Diagramm 1: Runde 5, M.N. - KKH nach 35. Se2
 Diagramm 2: Runde 9, KKH - D. de B. nach 29. ...Tb7 |